Musiktherapie – was ist das eigentlich?

Musiktherapie ist eine Form der Therapie, die Musik als heilendes Element in den Vordergrund rückt.

Im Gegensatz zu sprachbasierten Therapien hat diese Form entscheidende Vorteile. Unaussprechliches kann hörbar gemacht werden, nicht die intellektuelle Auseinandersetzung steht im Vordergrund, sondern das individuelle Erleben und Erfahren. Bewertungen wie richtig oder falsch, gut oder schlecht, etc. verlieren ihren Wert. Wichtig ist die persönliche Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Themengbiet. Nicht (nur) problembehaftete Anteile am Klienten werden ins Zentrum gerückt, sondern gerade die vorhandenen Stärken und Ressourcen werden aktiviert.

Musik ist immer verbunden mit Gefühlen, diese leisten einen entscheidenden Beitrag zur erfolgreichen Gestaltung einer Therapie. Wo der Sprachtherapeut mühsam versucht, sprachlich und intellektuell mit dem Klienten zu resonieren, kann ein schlichter Einklang mit dem Klienten ein tiefes Gefühl von verstanden-werden hervorrufen.

Gerade Menschen mit Behinderung spricht diese Art der Therapie besonders an, weil sie in erster Linie als Mensch und nicht als Behinderte wahrgenommen und angenommen werden.

Arbeitsweise

Jede Musiktherapie-Stunde ist einzigartig und eine eindeutige Zuordnung meiner musiktherapeutischen Arbeit in die eine oder andere Schule halte ich für zu Eng gegriffen für die Vielzahl von wirksamen Elementen. Fundament meiner musiktherapeutischen Arbeit ist jedoch die sichere und positive Beziehung zwischen Therapeut und Klient.

In der „integrativen Musiktherapie“, eine der vielen Richtungen der musiktherapeutischen Landschaft, fand ich meine Arbeitsweise am ehesten repräsentiert.

Die integrative Musiktherapie unterscheidet vier Modalitäten:

Alle vier Modalitäten finden mehr oder weniger ausgeprägt in jeder Therapiesitzung statt.

Die erste Modalität (Erlebniszentriert) beschreibt das sinnliche und emotionale Erleben, das Ausleben von Kreativität und Freude am Spielen. Dies ermöglicht den Klienten einen Zugriff auf innere Ressourcen.

Die zweite Modalität (Übungszentriert) trainiert auf spielerische Weise für den Alltag wichtige Elemente. Beispielhaft seien genannt: Rhythmus halten, Gegenspielen, mitspielen, sich hörbar machen, bei sich (und der eigenen Melodie) bleiben, führen und dirigieren, folgen, Grenzen erkennen, etc.

Die dritte Modalität (konfliktzentriert) konfrontiert mit den (problematischen) Gefühlen der Klienten oder richtet das Augenmerk auf bestimmte Lebensereignisse und wiederkehrende Themen. Vor allem verdrängte und nicht greifbare Konflikte klingen in Musik an und können so oft greifbar gemacht werden.

 Die vierte Modalität (nachnährendes Arbeiten) gibt präverbalen frühen Erfahrungen vor allem in der Mutter/Vater-Kind-Beziehung ihren Raum und stärkt diese, wenn sie durch Störungen der Wahrnehmung oder tatsächlichem Fehlen von Nähe und Wärme wenig ausgebildet sind. Mittel der Behandlung ist die Resonanz, ähnlich dem frühen Dialog von Mutter und Kind.

Sitzungsverlauf

Eine Musiktherapiestunde ist immer einzigartig und kann von Stunde zu Stunde variieren. Allerdings gibt es wichtige Rituale wie das Begrüßungs- und Abschiedslied.

Dazwischen entscheidet zumeist der Klient, in welcher Art er der Musik begegnet. Das reicht von Lieder singen am Klavier oder Gitarre bis hin zur freien oder gelenkte Improvisation an verschiedenen Instrumenten.

Aber auch rein rezeptive Klangangebote oder gar vibrotaktile Entspannungsstunden (mit Hilfe von Monochord, Klangschalen, Schlitztrommel, Leier, Gitarre, etc. die in Körperkontakt mit dem Klienten stehen und er die Klänge nicht nur hören, sondern auch spüren kann) machen oft Teil der Musiktherapie aus.

(30.8.12)